Vom Harz ins Riesengebirge: Auf den Spuren der Zisterzienser

– Beitrag von Michael Reinboth –

Am Beginn dieser Geschichte steht eine Erzählung meiner Mutter. Ihr haftet etwas Unwirkliches, längst Versunkenes an: Da war die Rede von einem sonntäglichen Fahrradausflug mit dem Vater aus Altweißbach/Stara Białka zum Kloster Grüssau/Krzeszów, durch den Wald. Da habe es eine Ausflugsgaststätte namens „Bethlehem” gegeben und viele Kreuzwegstationen. Mein Opa und meine Mutter waren zwar evangelisch, nahmen das katholische Umfeld von Grüssau aber mit Interesse wahr, ganz typisch für das gemischt-konfessionelle Schlesien mit seinem Nebeneinander von evangelischen und katholischen Orten. Jedenfalls wussten sie von der barocken Pracht der Klosterkirche zu erzählen, von den Wallfahrern, vom Glockengeläut und nicht zuletzt auch von der Gastronomie.

Weit weg, das alles. 1946 hatte es meine Großeltern mit Familie nach Walkenried im Südharz verschlagen. Da gab es immerhin eine kleine Verbindung, denn mein Opa rief, als der Lkw durch den Ort rollte, beim Anblick der Seifenfabrik Genzel & Co aus: Von hier also kam unsere Seife! Dass es noch ganz andere, festere Verbindungen von Walkenried in die alte Heimat gab, war ihnen damals nicht klar. 1951 hat meine Mutter geheiratet, und die Trauung fand im Kapitelsaal der noch vorhandenen Klausur des
Klosters Walkenried statt – eben jenes Klosters Walkenried, welches, wenn auch über mehrere Klostergenerationen hinweg, auch am Beginn der Geschichte des Klosters Grüssau steht. Also, nicht ganz am Beginn, aber dazu an anderer Stelle mehr. Die Fäden, die sich von Walkenried nach Schlesien spinnen, wurden mir erst sehr viel später nach und nach deutlich.

→ Weiterlesen im GAL 68, S. 36…


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