– Beitrag: Jacek Kiljański, Katarzyna Sielicka –
Besucher von Liebenthal/Lubomierz und mehreren umliegenden Dörfern im Isergebirge sind beeindruckt von der Vielzahl an Kapellen, Figuren und Kreuzen. Sie stehen an Straßen, Brücken, auf dem Gelände von ländlichen Gebäuden und manchmal auch zwischen Feldern und Wiesen und an Flüssen. Der Anblick so vieler Kapellen überrascht:
Bis zum Zweiten Weltkrieg war Niederschlesien überwiegend protestantisch, Lutheraner machten bis zu 90% der Bevölkerung aus, und in der protestantischen Tradition wurden keine Kapellen errichtet. Lubomierz und die umliegenden Dörfer waren jedoch eine katholische Enklave inmitten der protestantischen Mehrheit. Über 500 Jahre lang, von 1278 bis 1810, war diese Gegend Eigentum der Benediktinerinnenabtei St. Maternus in Liebenthal. Die Nonnen unterstützten ihre katholischen Untertanen und ließen keine protestantischen Gemeinden entstehen. Selbst nach der Auflösung des Klosters waren die meisten Einwohner Katholiken, die weiterhin in ihrer Stadt und ihren Dörfern Kapellen errichteten. Während der Blütezeit der „Kapellenkunst” – im Barock und im 19. Jahrhundert – wurden sie in Schlesien auch in anderen Klostergütern errichtet, z. B. bei den Zisterziensern in Grüssau/Krzeszów oder Leubus/Lubiąż.
Nach der Grenzänderung und der Vertreibung der deutschen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Siedler, die aus den ehemaligen Ostgebieten und aus Zentralpolen kamen, in der Regel Katholiken. Auch wenn ihnen die materielle Kultur der ehemaligen Bewohner fremd war, erkannten sie die Kapellen als „ihre” an und wagten es zumindest nicht, sie zu zerstören. Manchmal übermalten sie deutsche Inschriften, manchmal fügten sie ihre eigenen hinzu, seltener errichteten sie neue Wegkreuze. Und so findet man in der Umgebung von Liebenthal zahlreiche Kapellen und Wegkreuze aus verschiedenen Epochen und in verschiedenen Stilen.
Was sind Kapellen?
Wegkapellen sind Zeugnisse der Volksfrömmigkeit – malerisch verstreut, in die Landschaft eingebettet, sind sie materielle Zeugen der Frömmigkeit der Dorfbewohner.
Die Stifter der Kapellen hatten unterschiedliche Absichten. Oft war es der Wunsch, sich selbst und ihre Angehörigen nach dem Motto non omnis moriar (ich werde nicht ganz sterben) zu verewigen. Menschen aller Epochen verbindet die Angst vor dem Tod, vor dem Verschwinden aus dem Gedächtnis anderer Menschen. Unsere Versuche, die Geschichte der Kapellen zu erforschen, sind daher die Erfüllung des Willens ihrer Stifter. Manchmal ist das einfach: Es gibt Kapellen, die Inschriften mit Daten, Namen der Stifter und Gründen für die Errichtung der Kapelle enthalten. Und davon kann es viele geben – Dank für Glück, Gesundheit, die Geburt eines Kindes, Bitten um Gnade, Entschuldigungen für begangene Sünden, manchmal auch das Gedenken an den plötzlichen oder tragischen Tod eines Menschen.
Wenn wir die Motive der Stifter untersuchen, entdecken wir oft sehr interessante Geschichten. Wir beginnen, die früheren Bewohner dieser Gegend und ihre Geschichte zu verstehen. Dies ermöglicht eine tiefere Verwurzelung und Identifikation mit der Umgebung.
→ Beitrag weiterlesen im GAL Nr. 76, S. 41 …

