– Beitrag: Klaus-Henning von Krosigk –
Der Landschaftspark Wörlitz ist Höhepunkt eines einmaligen Programms zur Landesverschönerung und Lebensverbesserung: „Das Schöne mit dem Nützlichen”, oder wie Horaz sagte: „das Nützliche mit dem Angenehmen”, war das zentrale Gestaltungs- und Bildungsmotto der Wörlitzer Anlagen, eine der frühesten „ornamental farm”, also einer „aufgeschmückten Landschaft”, auf dem Kontinent. Die Wörlitzer Anlagen wurden von Anfang an – neben allen gartenkünstlerischen Ansprüchen – immer auch für Obstpflanzungen, Ackerbau, Viehzucht und Forstwirtschaft genutzt. Wörlitz ist daher kein klassischer Landschaftspark Lennéscher oder Pücklerscher Prägung, eine Entwicklung, die in Preußen erst nach der Zeit der Befreiungskriege einsetzt, dann jedoch das ganze 19. Jahrhundert dominieren sollte.
Das Gartenreich reflektiert die Bildungsideale der Aufklärung, es ist also eine „Bildungslandschaft” – aus Natur und Kunst – die von Anfang an für jedermann offenstand. Fürst Franz, der eigentliche Urheber, lebte von 1740–1817 und wurde leider früh Vollwaise, das heisst: viele Jahre regierte sein Onkel Fürst Dietrich, dem er aus Dankbarkeit später im Park eine Urne setzen ließ. Sein Großvater war der berühmte „Alte Dessauer”, dennoch nahm er schon mitten im 7-jährigen Krieg 1757 seinen Abschied vom Militärdienst und übernahm 1758 die Regierung im Fürstentum Anhalt-Dessau.
Das Gartenreich wurde unter Fürst Franz vor allem ein „Spiegel der Weltkulturen” mit Spuren von China, der Südsee, England, Frankreich und Italien. Das Wörlitzer Schloss war das erste Bauwerk im klassizistischen Stil – beeinflusst durch Palladianische Villen des Veneto sowie moderne Landhäuser der englischen Oberschicht – wies aber auch zeitgleich frühe Spuren der Neugotik auf dem Kontinent auf.
Von ihrer ersten Englandreise 1764 heimgekehrt, wählten der Fürst und sein Freund Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorf Wörlitz zum Ausgangspunkt moderner Landschaftsgestaltung bzw. eines das ganze Land umfassenden „Landesverschönerungsprogramms”. 1765/66 Reise nach Neapel, auch nach Pompeji und Herkulaneum, aber auch nach Rom zu Winckelmann, dort erste Planungen zum Wörlitzer Schloss. Winckelmanns Ideen von „Edler Einfalt, stiller Größe” kann als architektonische Umsetzung seines Postulates verstanden werden.
Erdmannsdorf war ein Schüler Winckelmanns, der dem Klassizismus in Europa zum Durchbruch verhalf. Winckelmann war auch der Begründer der neuen Kunstgeschichte und der klass. Archäologie. Nach der Rückkehr erste konkrete Planungen für das „Neue Landhaus in Wörlitz“. Zahlreiche Elemente auch der Schlossausstattung, wie Plastiken, Relief, und Wandmalereien beziehen sich auf Winckelmann und die beschriebenen antiken Werke.
Die Gärten – 1764 von Fürst Franz begonnen – waren ein Gesamtkunst- und Bildungswerk, die Spaziergänger in eine andere Welt versetzen sollten.
→ Beitrag weiterlesen im GAL Nr. 75, S. 25 …

