Engel und Husar – Das Mausoleum von Wingendorf

– Beitrag: Maciej Wlazło –

Unter den zahlreichen Schlössern, Parkanlagen und früheren Herrenhäusern in Niederschlesien lassen sich Orte finden, die fast völlig in Vergessenheit geraten sind – versteckt zwischen Bäumen, ihrer früheren Pracht beraubt und doch Träger einer außergewöhnlichen Geschichte. Eines dieser Bauwerke ist das Grabmal für den Freiherrn Robert Karl von Lachmann-Falkenau in Wingendorf/Jałowiec bei Lauban/Lubań. Heute befindet es sich in einem Zustand fortgeschrittener Verwahrlosung, doch zum Zeitpunkt seiner Errichtung gehörte es zu den interessantesten Grabstätten der Region.

Die Grabkapelle entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Erinnerung an eine Familientragödie und zugleich als Beispiel für die Grabkunst des 19. Jahrhunderts, in der Architektur, Skulptur und Landschaft ein durchdachtes, symbolisches Ganzes bildeten. Entworfen hat sie Carl Johann Lüdecke – einer der bedeutendsten Architekten, die in der Zeit des Historismus in Schlesien tätig waren.

Carl Johann Lüdecke – ein Architekt des Historismus

Carl Johann Bogislaw Lüdecke (1826–1894) zählt zu den herausragenden Architekten, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Schlesien tätig waren. Er wurde in Stettin geboren und absolvierte seine Ausbildung an der Berliner Bauakademie – der bedeutendsten Ausbildungsstätte für Architekten im damaligen Preußen. Das Studium an dieser Hochschule prägte seine gestalterische Handschrift und seine Freiheit im Umgang mit historischen Stilen.

Nach Abschluss seines Studiums widmete er sich vor allem Schlesien und insbesondere Breslau, wo er das architektonische Stadtbild mitgestaltete. Er entwarf sowohl öffentliche Gebäude als auch Privathäuser, Kirchen und Elemente der städtischen Infrastruktur. Zu seinem Werk zählen neben Entwürfen für Gebäude in Breslau auch Schlösser für den schlesischen Adel sowie Bauten für die sich damals entwickelnde Eisenbahninfrastruktur.

Lüdeckes Schaffen reiht sich in die Strömung des reifen Historismus ein, der für die Architektur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts charakteristisch ist. Architekten dieser Zeit griffen gerne auf Vorbilder früherer Zeiten zurück – vor allem aus der Gotik, der Renaissance und dem Klassizismus – und passten diese an die zeitgenössischen funktionalen und gestalterischen Bedürfnisse an. Ein kennzeichnendes Merkmal von Lüdeckes Entwürfen war die Liebe zum architektonischen Detail und die gekonnte Einbindung der Bauwerke in die umgebende Landschaft.

Ein bedeutender Teil seines Schaffens umfasste die Grabmalkunst. Für Vertreter der schlesischen Adelsfamilien entwarf er Grabkapellen und Mausoleen, die oft in den Schlossparks oder auf privaten Familienfriedhöfen errichtet wurden. Zu den bekannten Beispielen zählen unter anderem das Woller-Mausoleum in Marklissa/Leśna oder die Grabkapelle in Rankau/Ręków. Das Mausoleum in Wingendorf gehört ebenfalls dazu.

→ Beitrag weiterlesen im GAL Nr. 76, S. 51 …


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