Das Wernersdorfer Kachelkabinett

In 2013 hat der VSK-Vorstand beschlossen, dass Wernersdorfer Kachelkabinett zu fördern. Nachfolgend eine kurze Einführung in das Thema:

Wernersdorfer Kachelkabinett

Wernersdorfer Kachelkabinett

Schloss Wernersdorf, eine vorindustrielle Manufaktur für Bleichleinen, liegt ca. 2o km von Hirschberg entfernt. Der Gebäudekomplex diente im 18. Jahrhundert als eine Kombination aus Manufaktur und repräsentativen  Räumlichkeiten, eine interessante und ungewöhnliche Vermischung von Funktionsbereichen, ganz besonders im barocken Zeitalter. Neben dem sogenannten Kachelstübchen ist noch der prächtige teilrekonstruierte Barocksaal im Hauptgebäude zu nennen. Das solitäre, im Form eines Turmhauses erstellte Gebäude nördlich der Hauptanlage aus dem späten 18. Jahrhundert stellt ein bemerkenswertes Beispiel profan genutzter Architektur und Raumgestaltung dar. Der zentrale Raum im Obergeschoss des kleinen Gebäudes ist mit Delfter Platten aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ausgelegt. Die ohne Schablonierung handgefertigten Fliesen sind überwiegend mit biblischen Motiven bemalt. Alle vier Wände des Hauptraumes sind großflächig mit Keramik ausgestattet. Diese Gestaltung widerspiegelt eine im 18. Jahrhundert beliebte Methode, Keramik zu einer Art „Tapetenersatz “-  Dekoration heranzuziehen. Die Assoziation von glattflächigen Kachelflächen mit hygienischen Arbeitsbereichen wie z.B. Küche, Sanitär, Labor etc. entstand erst im Lauf des 19. Jahrhunderts.

Wernersdorfer Kachelkabinett - Detail

Wernersdorfer Kachelkabinett – Detail

Die Auskleidung repräsentativer Wohngebäude mit niederländischen Kacheln war im 17. und 18. Jahrhundert in gehobenen bürgerlichen und adligen Kreisen durchaus verbreitet. Prominente erhaltene Beispiele sind im polnischen Raum das Palais Nieborów, der Artus Hof in Danzig sowie Treppenhäuser im Palais Potocki in Krzeszowice. Bemerkenswert ist auch das mit Delfter Platten ausgekleidete sogenannte Beyersdorf-Zimmer, heute im Breslauer Stadtmuseum zu besichtigen. Ursprünglich in einem Patrizierhaus des 17. Jahrhunderts am Blücherplatz in Breslau untergebracht, wurden bereits Ende des 19. Jahrhunderts der bedeutende museale Charakter erkannt und die Kacheln der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ein weiteres Beispiel im niederschlesischen Raum ist eine Kachelstube im barocken Landsitz Wernersdorf / Hirschberg. Interessanterweise deckt sich sowohl die offensichtliche Herkunft, zeitliche Einordnung als auch die Motive mit den Delfter Platten mit den Materialien, die im Beyersdorf-Zimmer verwendet worden sind. Eine gemeinsame Beschaffungsquelle ist denkbar.

Wesentliche weitere Ausstattungsdetails des Raumes in Wernerdorf sind erhalten: Die hölzernen Wandkassettierungen, sämtliche Türen inkl. der historischen Beschläge sind zu ca. 80% erhalten. Der zentrale Blickfang, ein mit Rokoko Ornamenten überzogener offener Kamin ist ebenfalls erhalten, funktionsfähig und in guten bis sehr guten Zustand. In einem kleinen Nebenraum befindet sich eine vollständig erhaltene historische Sanitäranlage aus dem 18. Jahrhundert. Die barocke Deckenfassung des Kachelraumes ist in guten strukturellen Zustand. Unglücklicherweise ist die Plafondmalerei verloren gegangen und muss teilrekonstruiert werden, einzig einzelne Fragmente sind erhalten geblieben und erlauben durchaus eine Punktretusche.

Der Hauptgebäudekörper ist bereits von 2009-2010 instand gesetzt worden: Neuer Dachstuhl, Schornstein- aufmauerung, Dacheindeckung in Schiefer, Traufkasten, Verputz und neue Fenster getreu nach historischem Vorbild. Die Zwischendecke EG / OG musste aufgrund angefaulter Deckenbalkenköpfe im Zuge der Restaurierungs-maßnahmen 2009-2010 entfernt werden. Die Hauptaufgabe ist nun die konservatorische Instandsetzung des Kachelkabinetts, nämlich die Plafondmalerei, sowie die historischen Kachelflächen. Das Gebäude soll nach Fertigstellung der Restaurierungsmaßnahmen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Zu diesem Zweck soll eine möglichst wenig in die Originalsubstanz eingreifende Treppe (vgl. Zeichnungen) installiert werden, um einen einfachen Zugang in das obere Geschoss zu gewährleisten. Das Erdgeschoss kann für eine kleine Dauerausstellung genutzt werden, um beispielsweise in Architektur und Gestaltung des niederschlesischen Barock oder in die Technik, Produktion und Herkunft niederländischen Kachekunst einzuführen.

Wir freuen uns über projektbezogene Spenden, Verein zur Pflege schlesischer Kunst und Kultur e.V., Konto Nr. 15004163, BLZ: 850 500 00 Sparkasse Oberlausitz Niederschlesien, Vermerk „Kachelkabinett“

25.02.2014 / CJS