Die Restaurierungsarbeiten an Epitaphien, Fassaden, Skulpturen und Bauelementen von Gruftkapellen und Grabmälern sind im Oktober dieses Jahres abgeschlossen worden. Unter anderem von der Bolkoburg in Bolków/Bolkenhain sowie vom Schloss Czarne/Schwarzbach wurden weitere Epitaphien und Elemente der Sepulkralarchitektur auf den Gnadenkirchhof überführt, um hier im Rahmen eines Lapidariums der Friedhofskunst künftig wieder eine würdige Umgebung zu finden.

Man kann mit dem bis hierhin in unserem gemeinsamen deutsch-polnischen Projekt Erreichten durchaus zufrieden sein. In der nun bereits fast dreijährigen Zusammenarbeit des „Lead-Partners“, der Stadt Jelenia Góra, mit unserem Verein als „Projektpartner“ hat sich das gemeinsame Projektteam, bestehend aus den Experten für Projektmanagement der Stadt Jelenia Góra, den Restauratoren der Krakauer Firma „Ars Longa“, der Baufirma „WROBUD – ZABYTKI“ aus Breslau und ihren Beschäftigten sowie aus den VSK-Experten für Geschichte und Restaurierung, kennen und schätzen gelernt. Zugegebenermaßen war es nicht immer einfach, die jeweils verschiedenen Erwartungen und Herangehensweisen aller Beteiligten unter einen Hut zu bringen. So war stets ein gewisses Maß an Fingerspitzengefühl gefragt, um seine fachlichen Auffassungen und Anmerkungen angemessen zu Gehör zu bringen. Dies galt in besonderem Maße für die Projektbeteiligten des „Juniorpartners“ VSK, die zu den Vorstellungen und aufwändig ausgearbeiteten Konzepten der Stadt Jelenia Góra – Eigentümerin des Gnadenkirchhofs – ja immer nur ergänzende Anmerkungen und Vorschläge einbringen konnten. Mühe und Arbeit haben sich jedoch gelohnt, so besuchte im Herbst dieses Jahres sogar eine Abordnung der im Namen der EU das Projekt betreuenden Institution den Gnadenkirchhof, um sich vor Ort die Umsetzung eines deutsch-polnischen Projekts, das in gelungener Weise gemeinsames Kulturgut sichert und erhält und darüber hinaus einem Publikum beiderseits der Grenze erschließt und nahebringt, anzusehen.

Nachdem nun die restauratorischen Arbeiten fast gänzlich abgeschlossenen sind und auch die Wege über den Gnadenkirchhof mit ihrer neuen Pflasterung wieder ein würdiges Aussehen erhalten haben, kann nun erst einmal die Winterruhe einkehren. Gesimse, Fassaden und Skulpturen werden wetterfest gesichert, bis es dann im Frühjahr weitergeht. Unser Projekt wird nämlich nicht, wie ursprünglich geplant, bereits bis Ende dieses Jahres vollkommen abgeschlossen sein, sondern seine Laufzeit – voraussichtlich bis November 2013 – verlängert werden. Bis zu diesem Termin werden in einem zweiten Schritt die Dächer der Grufthäuser erneuert, ein Monitoring-System zum Schutz der Grufthäuser vor Vandalismus eingerichtet sowie noch kleinere Bau-, Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten durchgeführt werden. Wenn dann schließlich alles in neuem Glanze strahlt, wird der Besucher mit Hilfe eines Info-Kiosks, einer illustrierten Publikation sowie von Schautafeln und Flyern zu Hause wie vor Ort viel über die spannende Geschichte der hier bestatteten Schleierherren, ihrer und anderer Familien aus dem alten Hirschberg erfahren können.

(Gerhard Schiller)