Gruftkapelle 1; Familie Glogner; vollendet 1725

Neben dem Monogramm des Glognerschen Handelshauses ist noch heute schwach die Jahreszahl 1725 zu erahnen, die die Vollendung des Baus wiedergibt. Das Handelszeichen gibt die Initialen C. G. wieder, was Christian Glogner als ihren Erbauer zu erkennen gibt. Noch im 19. Jahrhundert befand sich die Grabkapelle im Besitz der Familie Glogner, 1916 war sie im Besitz der Kirche. Schon 1916 waren keine Epitaphien mehr vorhanden. Günther Grundmann erwähnte 1916, dass bereits im Jahr 1820 darüber verhandelt wurde, dass die Kapelle ein neues Gitter aus Holz oder Eisen bekommen sollte. Es wurde damals vermutlich das 1916 noch bestehende Holzgitter eingesetzt.

Gruftkapelle 2; Familie Glafey; vollendet 1716

Der Hirschberger Stadtschreiber David Zeller erwähnt vor 1738 die heute nicht mehr zu sehende Kapelleninschrift „TVMBA OSSIBVS GLAFEYNIANIS HEIC SEPELIENDIS“ (Grabmal der hier bestatteten Glafeyschen Gebeine), deren Chronostichon die Feritgstellung der Kapelle im Jahr 1716 ergibt. Johann Gottfried Glafey (1656-1720) war laut seiner Grabinschrift der „Erbauer dieser Grufft“. Sie ist die die älteste der 18 Kapellen. Ende des 18. oder Anfang des 19. Jhs. kam die Gruftkapelle in den Besitz der Familie Rabitsch. 1840 war die Besitzerin Rosine Eleonore Brendler, geb. Treutler, in Waldenburg. Sie verkaufte sie an Ernst Friedrich Schäffer, weshalb sie bis zumindest 1916 unter dem Namen „Schäffer’sche Gruft“ im Besitz der Kirche war.

Gruftkapelle 3; Familie Schneider; vollendet nach dem 27.8.1763

Zeller erwähnt 1738 eine „Grabstätte“ von Gottfried Schneider. Auch 1755 wird sie genannt. Grundmann vermutet, dass sie bereits in den 1720er Jahren angelegt wurde. Es befand sich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch keine Gruftkapelle hier, sondern wohl nur Epitaphien an der Innenwand der Kirchhofmauer mit einer davor liegenden Gruft (1812 erweitert). Die Kapelle wurde von Benjamin Gottfried Schneider (+1811) für seinen 1763 verstorbenen Vater Gottfried (1690-1763) angelegt. 1823 gehörte die Kapelle einer Caroline Schneider und wurde auch 1916 unter dem Namen „Schneider“ von der Kirche verwaltet.

Gruftkapelle 4; Familie Winckler (Frantz); vollendet um 1740-45

Am gesamten Bau waren bereits 1916 keine Inschriften und Epitaphien mehr vorhanden. David Zeller erwähnt in seiner Beschreibung des Gnadenkirchhofs von 1738 eine „Grabstätte“ Friedrich Wilhelm Wincklers (+1742). Diesen Ausdruck wählte er nur, wenn keine Grabkapelle vorhanden war, die er – wie zum Beispiel die Grabkapelle der Glogners – stets als „Grufft“ bezeichnet. Friedrich Wilhelm Winckler initierte wahrscheinlich noch den Bau der neuen Wincklerschen Kapelle für seine Nachfahren. Bis 1738 hatte er bereits ein neues Stammhaus errichten lassen. Friedrich Wilhelm Winckler ließ sich aber selbst in der Baumgartischen Kapelle (Nr. 9) neben seiner ersten Frau Anna Barbara, geb. Baumgarthen, (+1730) begraben. Ihr gemeinsames Epitaph war 1738 bis auf seine Todesdaten bereits fertiggestellt.

1755 wird die „Gruft“ Nr. 4 im Besitz seiner Witwe Maria Eleonora Winckler, geb. Baumgarthen (*1711; +nach 1776) erwähnt, so dass die Bauzeit zwischen 1738-55 zu setzen ist. Nach den stilistischen Analogien des ehemaligen Gitters zu dem der Kapelle Nr. 15 engte Günther Grundmann die wahrscheinliche Entstehungszeit auf 1740-45 ein, was auch die familiären Geschehnisse zu bestätigen scheinen. 1777 verkaufte Maria Eleonore Winckler die Grabkapelle an die Kaufleute Cornelius Frantz (bekannt durch sein Legat; siehe Grundmann, Kapelle Ketzler) und Ludwig Schmid.

Gruftkapelle 5; Familie Martens; vollendet um 1758

Da die Stelle im Jahr 1757 an Johann Heinrich Martens jun. (+1804) verkauft wurde, liegt es nahe zu vermuten, dass er sie für seinen gerade verstorbenen Vater Johann Heinrich Martens sen. (1706-57) 1757/58 erbaute. Noch 1846 war die Kapelle im Besitz der Familie Martens. 1852 verkaufte sie Pauline Emilie Martens an Gottfried Theodor Kosche, der Monogramm und Gitter einfügen ließ und wohl einen Umbau veranlasste. Noch 1916 war die Kapelle im Besitz der Familie Kosche.

Gruftkapelle 6; Familie Tietze; vollendet 1756

In der Inschriftentafel befand sich das Chronostichon „In paCe hIC terrae Data faMILIa TitzIana“ (Hier in Frieden der Erde übergeben die Familie Tietze), das das Baujahr 1756 angibt. Ihr Erbauer war Gottfried Tietze (1715-70), der hier 14 Jahre nach Fertigstellung der Kapelle seine letzte Ruhe fand. Seine Familie war noch 1916 im Besitz der Kapelle.

Gruftkapelle 7; Familie Baumgart[hen]; vollendet 1727

Das Chronostichon in der Inschriftentafel „DIE GEHEN GEWIß IM HIMMELS GARTHEN EIN / DIE NVR EIN BAVM VOLL GVTER FRVCHTE SEYN.“ legt die Vollendung der Grabkapelle auf das Jahr 1727. Ihr Erbauer war Martin Baumgart[h] (*wohl um 1640, +nach 1727). Er war ein enger Verwandter, vermutlich sogar der Bruder, Gottfried Baumgart[hen]s sen.(1626-78)(siehe Kapelle Nr. 9). Die Epitaphien im Innern waren schon 1916 nicht mehr vorhanden.

Gruftkapelle 8; Familie Köhler von Mohrenfeld (Thomann); vollendet um 1725-28

Am Bau selbst ist kein Datum vorhanden. Günther Grundmann konnte 1916 noch eine für den Bau der Gruft 1728 ausgestellte Rechnung auffinden. 1732 ließ hier Dr. George Gottlieb (Wilhelm) Koehler von Mohrenfeld (+1748) seine Schwester bestatten. Die Kapelle wird vermutlich von 1725-28 entstanden sein. Bereits 1756 befand sich die Kapelle im Besitz von Siegemund Kühn, der sie nach dem Tod Köhler von Mohrenfeld 1748 gekauft hatte. Kühn verkaufte die Kapelle 1758 wiederum an Wolfgang Friedrich Thomann (1717-71). Nach dessen Tod ging sie an seine Witwe Christiane Feodora Thomann (1737-94), eine Tochter Christian Mentzels, über.

Gruftkapelle 9; Familie Baumgart[hen] (von Schweinichen); vollendet 1712-19

An der Außenseite der Kapelle sind keine Inschriften mehr vorhanden. Nach einem von David Zeller überlieferten Chronostichon: „OSSA BAVMGARTHENSIA HAC IN AEDE QVIETA QVIESCANT.“ (Die Gebeine der Baumgarthen ruhen in diesem ruhigen Gemach), das sich in der Kartusche befand, wurde die Kapelle 1719 vollendet. Doch war eine Gruft schon 1712 fertiggestellt. Auch beim Begräbnis des Gottfried Baumgarten sen. im Juli 1716 heißt es bereits, dass „sein Leichnamb den 16. Ejusdem bey Volckreicher Versammlung in seine neu-erbauete Grufft gebracht ward“. Bauherren waren demnach Gottfried Baumgarthen (1660-1716) und nach dessen Tod seine Ehefrau Anna Barbara, geb. Kretschmer (1660-1731). Nach dem Aussterben dieses männlichen Zweiges der Baumgarthens (1720) und dem Tod von Anna Barbara Baumgarthen (1731) ging die Kapelle nach 1734 vermutlich durch einen Erbvertrag in den Besitz ihres Schwiegersohnes Johann Bernhardt von Holtzhausen über. Ihr zweiter Schwiegersohn Friedrich Wilhelm Winckler (+1742) wurde trotzdem noch in dieser Kapelle neben seiner ersten Frau (+1730) beigesetzt. Um die Zeit des Todes von Johann Bernhardt von Holtzhausen (+1739) wurde die Kapelle wie das Baumgartische Stammhaus „vor dem Schilder-Thore“ in Hirschberg an seinen Schwiegersohn Hans Friedrich von Schweinichen weitergereicht. Im Besitz der von Schweinichen befand sich die Kapelle noch im Jahre 1916.

Gruftkapelle 10; Ketzler/Kätzler (Linke); vollendet um 1720

Schon 1916 waren an der Kapelle weder Inschriften noch Epitaphien vorhanden. Die Kapelle wurde nach Grundmann etwa um 1720 erbaut. Das legt besonders die Analogie des Gitters zu dem der 1724 erbauten Kapelle der Tralles nahe. Es besteht eine archivalische Nachricht, dass die Kapelle im Jahr 1730 bereits fertiggestellt war. Der Inschriftenvers außen an der Kapelle berichtet, dass „die Seinen“ Jeremias Katzler dieses Grabgemach setzten. Die Gruft wird daher für Jeremias Kätzler den Älteren erbaut worden sein, der 1713 starb. Bis 1829 blieb die Kapelle im Besitz der Familie Kätzler, dann wurde sie an Charlotte Liebig, geb. Ketzler, verschrieben, 1838 an Otto Liebig in Breslau, und 1842 an Pastor Liebig in Hirschberg. 1916 befand sich die Kapelle im Besitz der Familie Lincke.

Gruftkapelle 11; Familie Mentzel; vollendet 1726

Das Chronostichon in der Fassadenkartusche trägt noch heute die Inschrift: „VRNA MENZELIANA PATRIS UXORIS ET PROLIS CINERI DATA“ (Der Asche des Vaters, der Gattin und der Nachkommenschaft wurde ein Mentzelscher Aschenkrug gegeben), in der sich das Vollendungsjahr des Kapellenbaus 1726 ergibt. Der berühmte Christian Mentzel (1667-1748) errichtete seine Familiengrablege, in der zunächst seine erste Ehefrau Anna Ursula (1671-1726) beigesetzt wurde. Etwa um 1860, als man die Kapelle als Leichenhalle zu nutzen begann, wurde ein hölzernes Tor eingesetzt.

Gruftkapelle 12; Familie Sparr (Kühn); vollendet um 1765

Schon 1728 gehörte die Grabstelle der Familie Sparr. Magdalena, geb. Mentzel (1672-1732), Frau des Kaufmanns Ephraim Sparr (1693-1755) fand hier ihre letzte Ruhestätte. Zeller erwähnt 1738 das „Sparrische Begräbniß“ und „an der Mauer“ eine „Leichen-Schrifft“. Noch 1755 ist von einem „Begräbnis” die Rede, so dass zu diesem Zeitpunkt noch keine Kapelle existierte. Als ihr Vater Ephraim starb, verkaufte seine in Greiffenberg lebende Tochter Magdalena Platzius (1713-85) das Familiengrab an den Hirschberger Kaufmann Siegemund Kühn (+1759). Ihr 1743 zu ihr gezogener Vater wurde nach seinem Tod in Greiffenberg beerdigt. Ein offenbar gleichnamiger Verwandter, vermutlich sein Sohn, Siegemund Kühn jun., verkaufte die Kapelle 1771 an die Familien Linkh und Haenisch. Letztere war seit 1816 alleiniger Besitzer der Kapelle. Louise Linkh verkaufte sie 1851 an einen Hauptmann Unverricht aus Eisdorf und an eine Frau von Seidlitz. 1916 war befande sich die oft veränderte Kapelle wegen der zahlreichen Besitzwechsel im Eigentum der Familie Erfurt.

Gruftkapelle 13; Familie Tralles; vollendet 1724

Die Kapelle wurde 1724 erbaut, wie das am Bau vorhandene Chronostichon „DAS VVEIST DIR GOTT VORAN IN DIESER TRALLSCHEN GRVFFT” verrät. Epitaphien waren bereits 1916 keine mehr vorhanden. Erbauerin war die in der Inschrift als solche genannte Ursula Regina Tralles, geb. Frömberg (*27.10.1659; +11.8.1724), die im selben Jahr des noch nicht vollständig ausgeführten Baus verstarb und fünf Söhne und eine Tochter hinterließ. Sie war die Frau des reichen Kaufmann Christian Wilhelm Tralles (1651-1700). Bis 1841 blieb die Kapelle im Besitz dieser Familie. 1841 verkaufte sie Johanna Luise Tralles an Juliane Henriette Gruner. 1916 war die Kapelle im Besitz der Kirche.

Gruftkapelle 14; Familie Ihle (Lampert); vollendet um 1770

Epitaphien und Inschriften waren schon 1916 nicht mehr vorhanden. 1728 und 1755 wird Matthäus Christian Ihle als Besitzer einer Grabstelle genannt. Der Kapellenbau ist nach Grundmann vermutlich von einem seiner Söhne um 1770 errichtet worden. 1812 befand sich die Kapelle im Besitz eines Ratsmannes namens Schneider. 1823 gehört sie Caroline Schneider und wurde noch 1916 von der Kirche unter diesem Familiennamen verwaltet.

Gruftkapelle 15; Familie Gottfried (Hess); vollendet um 1738

Einen Hinweis an der Kapelle selbst über deren Vollendung fehlt. Inschriften oder Epitaphien waren schon 1916 nicht mehr vorhanden. Der Hirschberger Stadtschreiber David Zeller (1676-1738) erwähnte zu seinen Lebzeiten eine „Scheelsche Gruft“, die Günther Grundmann nach den Kirchhofregistern im Jahre 1916 eindeutig als die spätere Gottfriedsche identifizierte.Gottfried Scheel starb im Jahr 1730, Johann Martin Gottfried jedoch erst im Jahr 1737. Vermutlich kaufte die Familie Gottfried also die Gruft von der Familie Scheel ab und ließ sie dann mir der aufwändigen Blendfassade und dem reichen Figurenschmuck versehen, den David Zeller zu seinen Lebzeiten noch nicht erwähnte. Die Vollendung der Kapelle unter den Gottfrieds ist demnach etwa auf die Jahre 1738-40 anzusetzen. Es ist sehr gut möglich, dass Anna Mariana Gottfried (1699-1775), Tochter des reichen Christian Mentzels, die auch das Handelshaus ihres verstorbenen Gatten weiterführte, für diesen die Scheelsche Kapelle erwarb. 1756 gehörte die Kapelle ihrem Schwiegersohn Georg Friedrich Smith (1707-1757), Ehemann ihrer Tochter Margarethe Elisabeth (1725-79). Später wurde die Kapelle an seinen aus Berlin stammenden Schwiegersohn Heinrich Hess (1743-1802) übertragen. In Besitz seiner Familie befand sich die Kapelle noch 1916.

Gruftkapelle 16; Familie Streit (Thielsch); vollendet um 1770

Inschriften oder Epitaphien waren bereits 1916 nicht mehr vorhanden. 1728 und 1756 gehörte die Grabstelle Conrad Streidt (+1772). Grundmann vermutet, dass die Kapelle in den 1770er Jahren entstanden ist. Bereits im Jahr 1790 gehörte die Kapelle einem Melchior Weissig. 1842 verkaufte sie C. Friedrich Weissig an Gottwald Thielsch. Unter seinem Familiennamen wurde die Kapelle von der Kirche bis 1916 verwaltet.

Gruftkapelle 17; Familie Ullmann (Kuntze); um 1760 vollendet

1728 gehörte die Grabstelle einem Johann Gottfried Ullmann, vermutlich sen. (+1742). Die Kapelle wurde aber erst um 1760, vermutlich von Johann Gottfried Ullmann jun. (+1775) für seinen Vater errichtet. Sein Epitaph an der Rückwand der Kapelle war bereits 1916 übermalt. Hier befand sich 1916 noch das Handelszeichen mit den Buchstaben G. U.

Nach dem Tod ihrer Mutter gelangte die Kapelle 1782 an Eva Friedericia Kiessling, geb. Thebesius. Sie war eine Halbschwester von Johann Gottfried Ullmans jun. Sie setzte dort ihrer Mutter ein Epitaph. 1783 ging die Kapelle an ihren Mann Christian Gottlieb Kiessling über. Von ihm kam sie an Maria Elisabeth Kiessling, vermutlich die Tochter des Paares. Vor 1853 gelangte die Kapelle an Karl Heinrich Roppan, 1853 an Karl Bernhard Kuntze. Dessen Familie besa0 die Kapelle noch 1916.

Gruftkapelle 18; Familie Adolph (von Uechtritz); vollendet 1719

David Zeller überliefert 1738 ein Chronostichon: „Der Heÿland stund von Todten auff / Was Adolph heisset freut sich drauff / Jn JESU Tod gepflantzet sterben / Heist auch sein Aufferstehen erben / Der Lazarus verlässt die Klufft / SIE EINST DVRCH CHRISTVM IHRE GRVFFT.“ Die Fertigstellung erfolgte also 1719 als drittälteste Gruftkapelle des Gnadenkirchhofs. Balthasar Adolphs (1651-96) Sohn Benjamin Adolph kann als Erbauer der Kapelle gelten. Seine Frau Regina, geb. Knäbel (1671-1715), fand jedoch bereits 1715 „ihre Ruhestatt auf unserm. Evangel. Kirchhofe in der Adolphischen Gruft“. Durch die Heirat ihrer Tocher Anna Regina (+1735) mit Ritter Elias Gottlieb von Beuchell (+nach 1751) ging die Kapelle in den Besitz dessen Familie über. Sie vererbte sie schließlich später an die von Uechtritz weiter.

[Gerhard Schiller; Plan der Kapellen und grundlegende Daten vor allem nach Grundmann (1916)]