Der Gnadenkirchhof in Hirschberg hat wegen seiner einzigartigen parkähnlichen Anlage von seiner Entstehung im Jahr 1710 an bis heute stets auch viele auswärtige Besucher angezogen. Die Gäste der Stadt versäumten es nicht, neben den anderen zahlreichen Sehenswürdigkeiten Hirschbergs auch dem Gnadenfriedhof mit seinen kostbaren Grufthäusern und Grabmälern einen Besuch abzustatten. So berichtete etwa der Hofmedicus Kaiser Franz II., Joseph Carl Eduard Hoser, 1804: „… ihr schöner, mit mehreren prächtigen Begräbnisskapellen reicher hirschbergischer Familien umbauter, Gottesacker gewährt einige treffliche Aussichten“ Der schlesische Kirchenhistoriker Siegismund Justus Ehrhardt schrieb 1783: „Der Kirch-Hof bei der Kirche ist ein vollkommenes Viereck, und hat viele und kostbare Monumente, die sehenswürdig sind.“ Flanierende Spaziergänger prägten seit eh und je neben den an den Gräbern ihrer Lieben trauernden und gedenkenden Hirschbergern das tägliche Erscheinungsbild dieses Friedhofs.

Bereits der Hirschberger Stadtchronist und Lehrer David Zeller (1676-1738) berichtete mit unverkennbarem Stolz von der ersten Beerdigung „auff unserm Evangel. Gottes-Acker“ – einem Hirschberger Friedhof, der erstmals alleinig für die Verstorbenen evangelischen Glaubens bestimmt war. Sorgfältig notierte Zeller in der Folge die Leichenpredigten und Grabinschriften seiner auf dem Gnadenkirchhof beigesetzten Mitbürger, so dass seine Chronik noch heute eine reiche Fundgrube für die Geschichte dieses „Gottesackers“ und die Lebensläufe der hier Ruhenden ist. Der aus Ober-Oberwitz in der Oberlausitz stammende Zeller hatte 1711 Sophia Maria Neunhertz geheiratet. Sie war die Tochter des ersten Pfarrers der Gnadenkirche, Johann Neunhertz (1653-1737), der fortan als „pastor primarius“ oder „senior“ den ersten Rang unter den meist vier an der Gnadenkirche tätigen Pfarrern einnahm. Viele Informationen über das kirchlichen Leben hat David Zeller von seinem Schwiegervater aus erster Hand erfahren. Seine Chronik ist damit eine erstklassige Quelle für die knapp ersten 30 Jahre der Gnadenkirchengemeinde. Zeller berichtet über die Anfänge des Gnadenfriedhofs wie folgt: „Die erste Leiche, welche den 16. Jan. An. 1710 auf unsern Evangel. Gottes-Acker begraben worden, ist Tit. Fr. Anna Maria Köhlerin geb. Schultzin, Tit. pl. Hrn. George Gottlieb Köhlers, damahls vornehmen Medic. Doctorus und weit berühmten Practici allhier, hertzgeliebte Frau Ehe-Liebste gewesen, beÿ welcher Gelegenheit zugleich derselbe von unserm Hrn. Seniore Hrn. M. Neunhertz eingeweiht worden.“ Bei der Verstorbenen handelte es sich um die Gattin des bekannten Hirschberger Arztes, Dr. George Gottlieb Koehler von Mohrenfeld (+1748), der um 1725-28 auf dem Gnadenkirchhof für seine Familie ein prachtvolles Grufthaus (Nr. 8) errichten ließ. Wie die reichen Hirschberger Schleierherren war auch er Mitglied der Hirschberger „Kauffmanns-Societät“, da dieser auch die städtischen Apotheker und Mediziner angehörten. Als letzten Dienst trugen die Sozietätsgenossen ihre verstorbenen Mitglieder oder deren Familienangehörigen eigenhändig zu Grabe. Auch die reichsten Kaufleute wurden von der Verpflichtung des Sargtragens nicht ausgenommen. So findet im Begräbnisbuch der Sozietät verzeichnet, dass zehn Mitglieder, „A. 1710 Jan. 16 haben zu Grabe getragen bey H. Doctor Köhlern seine Libste“. Anlässlich dieses ersten Begräbnisses auf dem neuen Hirschberger Gnadenfriedhof wurde von Pastor Neunhertz in der hölzernen evangelischen Behelfskirche die erste „Leichen-Predigt” gehalten. Pfarrer Neunhertz „trat mit dem Seuffzer auf die Cantzel“. Seine ersten Worte waren: „Christus der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn. “ Diese Worte geben dem Credo der Christen der Frühen Neuzeit anschaulich Ausdruck. Was auf Erden vor allem zählte, war das Vertrauen auf das ewige Leben nach dem Tode. Der Glaube an Gott gab die Gewissheit einer „frölichen Aufferstehung“, wie es auf vielen Inschriften des Gnadenkirchhofs verzeichnet steht und mit aufwändigen bildhauerischen Arbeiten verziert wurde. Pfarrer Neunhertz fuhr fort, es sei Gottes Willen, dass die Hirschberger Gemeindeglieder „mit Ihr [Anna Maria Köhler] den Kirchhof weihen sollen”. Er würdigte mit diesen Worten ihr frommes Leben als Vorbild für alle hier zukünftig Ruhe Findenden, doch warnte er zugleich vor möglicher Verdammnis: „Gott gebe, daß keine Seele in der Hölle seÿ, dessen Leib wir auf diesen Gottes-Acker legen. Von der sel. Fr. Doctorin können wir dessen wohl versichert seÿn, daß sie selig gestorben.“ Die Beerdigung von Anna Maria Köhler fand nur drei Tage nach der Bestätigung eines Vergleichs der evangelischen Gemeinde mit dem katholischen Stadtpfarrer durch den Hirschberger Magistrat statt. In diesem Vergleich vom 13. Januar 1710 war geregelt worden, wie die Evangelischen fortan ihre Leichenbegängnisse abhalten durften, welche Beteiligung der katholischen Geistlichkeit an den ev. Begräbnissen vorerst bestehen blieben und welche Stolgebühren sie dafür von den Evangelischen erhielten. Erst am 11. Januar 1758 befreite Friedrich II. die evangelischen Schlesier endgültig von ihren althergebrachten Stolgebühren an die katholischen Pfarrer.

Der neue Friedhof wurde wie gehört bereits 1710 – also acht Jahre vor Fertigstellung und Weihung der Gnadenkirche am 9. Mai 1718 – in Gebrauch genommen. Als erste provisorische evangelische Betstätte vor Ort war am 22. April 1709 neben der feierlich in den Boden gesteckten Partisane, dem kaiserlichen Gnadenzeichen zum Erlaubnis des Baus der Gnadenkirche, das „Mohrenthalische Zelt harte darbeÿ aufgeschlagen “ worden. Der Stifter dieses Zeltes, Bernhard Bonit von Mohrenthal (+1720), war aus dem fernen Lübeck nach Hirschberg gekommen und zu einem der reichsten Kaufleute seiner neuen Heimatstadt geworden. Neben seinen Kaufmannskollegen Christian Mentzel, Daniel (von) Buchs, Gottfried Glafey u. a. trug er nicht unerheblich zur Wahrwerdung des Traums der unter der Gegenreformation leidenden evangelischen Hirschberger bei: Dem Besitz eigener würdiger Stätten zum Beten, zum Lernen und zur ewigen Ruhe. Am 26. Mai 1705 war Bernhard Bonit zusammen mit seinem Bruder vom religiös eher duldsamen Kaiser Joseph I. (*1678; +1711) in den böhmischen Adelsstand erhoben worden. Joseph I. war damals nach dem Tode seines Vaters Leopold I. gerade erst drei Wochen zuvor zum Kaiser des Römischen Reiches und zum König von Böhmen geworden! Dem evangelischen Kaufmann Bernhard Bonit wurde im katholischen Habsburgerreich also bereits zwei Jahre vor Unterzeichnung der Altranstädter Konvention eine überaus große Ehre zuteil. Doch schon bald hieß es über ihn: „… dieser glückseelige Stand gab Anlaß zu hohen Gedancken, zu Spiel und Verlust“. Sein großes finanzielles Engagement für die ev. Kirche, Schule und Friedhofsanlage in Hirschberg, vor allem aber seine Auslagen für den Neubau seines Schlosses in Peterswaldau/Pieszyce überspannten seine finanziellen Kräfte. Um 1710 hatte er zur Erschaffung dieses Palasts vermutlich sogar den Baumeister der Hirschberger Gnadenkirche, Martin Frantz, beauftragt! Bonit von Mohrenthal starb im Schuldarrest zu Jauer/Jawor, angeblich zu stolz, mithilfe von Bürgschaften seiner ehemaligem Kaufmannsgenossen wieder die Freiheit zu erlangen.

Auf dem Gelände des Gnadenkirchhofs wurde bis zum Pfingstfest am 19. Mai 1709 zunächst eine provisorische Holzkirche, damals „„Interims-Kirche“ genannt, fertiggestellt. Sie lag „am Abhange des nordwestlichen Berges” des heutigen Kirchhofes, also vermutlich vor den Grufthäusern Baumgarten (Nr. 7) und Köhler von Mohrenfeld (Nr. 8). Endlich konnten nun auch in Hirschberg wieder evangelische Gottesdienste, Taufen und Beerdigungen in einem –wenn auch provisorischem – Gotteshaus gefeiert werden. Der neue Hirschberger Gnadenfriedhof wurde jedoch in seiner Anlage von vornherein als parkähnliche Umrahmung auf die neu entstehende imposante Gnadenkirche hin ausgerichtet. In ihrer Umgebung sollte kein bloßer Begräbnisplatz entstehen, sondern ein friedvoller Ort der Ruhe, Besinnung und des Gedenkens geschaffen werden. Der spätere schlesische Landeskonservator und Kunsthistoriker Günther Grundmann beschrieb 1916 die gärtnerische Anlage des Kirchhofs wie folgt: „Wenn man die durch die Wege erreichte Aufteilung in Gräberfelder betrachtet, so erkennt man unschwer den Gedanken, strahlenförmig von den Hauptausgängen der Kirche aus den Blick über den Gottesacker führen zu wollen. Trotz der unregelmäßigen Anlage, die durch die Bergigkeit des Ortes bedingt ist, ist dies Prinzip ziemlich einheitlich durchgeführt. Alle diese Wege münden auf den Umgang, an dem die Grabkapellen liegen und vermitteln zugleich zu den Ausgängen, die früher in größerer Zahl vorhanden waren.“ Das schöne Bild von Gnadenkirche, Grabmonumenten und den von Bäumen gesäumten Wegen umrahmen harmonisch die Grufthäuser der Schleierherren entlang der Umfriedungsmauer: „Die kleinen Kapellen werden heute durch die Bäume in glücklicher Weise mit dem Kirchenbau zur Einheit zusammengeschlossen.“ Hirschberger wie auswärtige Besucher genossen die geruhsame Atmosphäre: „Es promenierten die Hirschberger Bürger sogar des Sonntags nachmittag dort wie in einem öffentlichen Park.“, so Grundmann.

Auf dem Gelände des Gnadenkirchhofs wurde bis zum Pfingstfest am 19. Mai 1709 zunächst eine provisorische Holzkirche, damals „Interims-Kirche“ genannt, fertiggestellt. Sie lag „am Abhange des nordwestlichen Berges” des heutigen Kirchhofes, also vermutlich vor den Grufthäusern Baumgarten (Nr. 7) und Köhler von Mohrenfeld (Nr. 8). Endlich konnten nun auch in Hirschberg wieder evangelische Gottesdienste, Taufen und Beerdigungen in einem –wenn auch provisorischem – Gotteshaus gefeiert werden. Der neue Hirschberger Gnadenfriedhof wurde jedoch in seiner Anlage von vornherein als parkähnliche Umrahmung auf die neu entstehende imposante Gnadenkirche hin ausgerichtet. In ihrer Umgebung sollte kein bloßer Begräbnisplatz entstehen, sondern ein friedvoller Ort der Ruhe, Besinnung und des Gedenkens geschaffen werden. Der spätere schlesische Landeskonservator und Kunsthistoriker Günther Grundmann beschrieb 1916 die gärtnerische Anlage des Kirchhofs wie folgt: „Wenn man die durch die Wege erreichte Aufteilung in Gräberfelder betrachtet, so erkennt man unschwer den Gedanken, strahlenförmig von den Hauptausgängen der Kirche aus den Blick über den Gottesacker führen zu wollen. Trotz der unregelmäßigen Anlage, die durch die Bergigkeit des Ortes bedingt ist, ist dies Prinzip ziemlich einheitlich durchgeführt. Alle diese Wege münden auf den Umgang, an dem die Grabkapellen liegen und vermitteln zugleich zu den Ausgängen, die früher in größerer Zahl vorhanden waren.“ Das schöne Bild von Gnadenkirche, Grabmonumenten und den von Bäumen gesäumten Wegen umrahmen harmonisch die Grufthäuser der Schleierherren entlang der Umfriedungsmauer: „Die kleinen Kapellen werden heute durch die Bäume in glücklicher Weise mit dem Kirchenbau zur Einheit zusammengeschlossen.“ Hirschberger wie auswärtige Besucher genossen die geruhsame Atmosphäre: „Es promenierten die Hirschberger Bürger sogar des Sonntags nachmittag dort wie in einem öffentlichen Park.“, so Grundmann.

Der Hirschberger Stadtchronist Johann Karl Herbst beschrieb den Gnadenkirchhof 1849 wie folgt: „Der evangelische Kichhof ist einer der schönsten und freundlichsten Schlesiens. … Die Wege sind mit Bäumen bepflanzt. An der westlichen, nördlichen und östlichen Mauer sind Grüfte, von denen sehr viele reich ausgestattet sind, daß sie ein sprechendes Zeugniß von dem Wohlstande unserer Vorfahren ablegen und selbst Friedrich dem Großen einen Ausdruck der Verwunderung abnöthigten.“ Die prachtvollen barocken Grufthäuser der Schleierherren entlang der Innenseite der Friedhofsmauer entstanden ungefähr in der Zeit von 1715 bis 1770 und geben dem Gnadenkirchhof bis in unsere Zeit eine angemessene Umrahmung. Sie sind heutzutage zusammen mit den wenigen entlang der Friedhofsmauer und an den Kirchwänden erhaltenen Epitaphien die einzigen Überbleibsel, die bezeugen, dass es sich bei dieser schönen Anlage, die noch heute an einen Park erinnert und auch so genutzt wird, eigentlich um einen Friedhof handelt. Bereits mit dem nächsten Jahr werden die Restaurierungsarbeiten an Grufthäusern und Epitaphien sowie die Instandsetzung der Wege im Rahmen unseres Projekts abgeschlossen sein und der Gnadenfriedhof, auf dem nicht wenige der größten Söhne und Töchter des alten Hirschbergs beerdigt wurden, wieder eine würdevolle Ruhestätte bieten.

(Gerhard Schiller)