Christian Mentzel wurde am 9. September 1667 in Hirschberg geboren. Die frühesten Vorfahren seiner Familie sind seit ungefähr 1500 in Seiffershau (Kopaniec) erstmals nachweisbar. Viele waren wohlhabende Kaufleute, so auch Christians Vater, George Mentzel. Dieser wurde am 1635 in Seiffershau geboren, siedelte aber später nach Hirschberg über, wo er fortan mehrfach als vornehmer Bürger, Kauff- und Handelsmann erwähnt wird. Er verstarb dort 1715 im für die damalige Zeit ungewöhnlich hohen Alter von fast 80 Jahren. Christians Mutter Magdalena war eine geborene Wentzel (1637-1708). Sie war die Tochter des alteingesessenen, angesehenen Hirschberger Stadtgerichtsschöppens, Bürgers sowie Huf- und Waffenschmieds George Wentzel (1602-1670). Christian erhielt seine gute Bildung zunächst durch so genannte „Informatoren“, private Hauslehrer. Eine solche häusliche Erziehung war im katholischen regierten österreichischen Schlesien besonders bei wohlhabenden Evangelischen keine Seltenheit, hatte man doch so die Möglichkeit, unkontrolliert von der Öffentlichkeit seinen Glauben an seine Kinder weiterzugeben. Anschließend ging der junge Christian für etwa drei Jahre ins 27 km von Hirschberg entfernteste Oberwiesa (Wieża) im Kursächsischen zur Schule. Oberwiesa lag gleich hinter dem Queis (Kwisa), der Grenze zwischen Schlesien und Sachsen und unmittelbar gegenüber dem schlesischen Städtchen Greiffenberg (Gryfów Śląski). Viele evangelische Schlesier, die unter dem Druck der Gegenreformation in den österreichischen Erblanden zu leiden hatten, schickten damals ihre Söhne nach Oberwiesa zur Schule. Mit 15 Jahren, also 1682, begann Christian auf väterliche Weisung in einem angesehenen Breslauer Handelshaus seine kaufmännische Lehre. In der Hirschberger „Handlung“ seines Vaters vervollkommnte er sodann seine kaufmännische Ausbildung, um anschließend mit langen geschäftlichen Reisen nach Holland, England, Spanien und Portugal betreut zu werden – einerseits, um die in Westeuropa üblichen, modernen Geschäftspraktiken zu lernen, andererseits um ein persönliches Netz von Bekannten für seine späteren Geschäftskontakte zu knüpfen. Seine Reisen sollten sich auszahlen – besonders zu Hamburger und Amsterdamer Handelshäusern unterhielt er über sein gesamtes Leben hinweg enge Geschäftsbeziehungen, die ihm den Export seiner schlesischen Schleier und Leinwaren in alle Welt ermöglichten.

Nach seiner Rückkehr in seine Heimatstadt begründete Christian Mentzel dort mit Einverständnis seines Vaters ein eigenes Leinhandelshaus und ließ sich 1692 in die Hirschberger „Kauffmanns-Sozietät“ einschreiben. Durch sein außergewöhnliches kaufmännisches Geschick und seine Fleiß gelangte sein Handelshaus schnell zu großer Blüte. Christian kaufte eine große Anzahl von Häusern, Grundstücken, Bleichhäusern, Bleichplänen, Wiesen sowie Äckern und Gärten inner- und außerhalb Hirschbergs. Er selbst wohnte in dem von ihm 1694 erworbenen Haus am Ring 27, später Zum Golden Schwert/Pod Złoty Miecz genannt. Bald schon zählte er zu den wohlhabendsten Bürgern seiner Stadt. 1692 heiratete er Anna Ursula Gerstmann (1671-1726), die einer der angesehensten Schmiedeberger Kaufmanns- und Handelsfamilien entstammte. Mit ihr zeugte er in den Jahren 1692-1712 vier Söhne und fünf Töchter. Von 1727 bis 1731 begleitete Christian seine zweite Ehefrau, Agnetha Elisabeth (1699-1731), geborene Grabs, Witwe des Schaffgotschen Rentschreibers Carl Ferdinand Bieler, für einen kurzen Abschnitt durch sein Leben. Bei ihrer Heirat 1727 stand Mentzel bereits im 60. Lebensjahr. Sie hatten zusammen drei Kinder. Schließlich wurde von 1732 bis zu seinem Tod im Jahre 1748 Christiane Elisabeth (1702-56), geborene Legner, Witwe des Pastors Johann Sturm aus Probsthain bei Leipzig, Christian Mentzels letzte Ehebegleiterin. In ihrer Ehe erblickten fünf weitere Kinder das Licht der Welt. Die Geburt seines letzten Sohnes Christian Friedrich (1741-51) erlebte Christian Mentzel im Alter von fast 74 Jahren. Das Familienleben der Mentzels scheint sehr harmonisch gewesen zu sein. Der Pfarrer Christian Weißig bezeichnete Christian Mentzel in seiner Leichenpredigt als „zärtlichliebenden Gemahl“ und „grundgetreuen Vater“.
Nach den überlieferten Steuereinschätzungen war Christian Mentzel bereits vor den schlesi-schen Kriegen der mit großem Abstand reichste Kaufmann Hirschbergs. Sein Vermögen übertraf das von Buchs‘sche Vermögen fast um ein Dreifaches. Nach Abzug aller Passiva wurde das Gesamtvermögen Christian Mentzels nach seinem Tod im Jahr 1748 auf 317.727 Reichstaler taxiert. Es entsprach demnach dem siebenfachen damaligen Wert des Gutes Lomnitz mit allem seinen Zubehör und Abgaben. Nicht zuletzt wegen seines immensen Reichtums wählte die Standesvertre-tung der Hirschberger Großkaufleute, die „Kauffmanns-Sozietät“, Mentzel zu ihrem „Ober-Aeltesten“. Sie erwartete von ihm natürlich besonders in Krisenzeiten ein starkes Engagement für das Allgemeinwohl. Im Österreichischen Erbfolgekrieg (1740-48) musste die durch die von den Kriegsgegnern erpressten Kontributionen verarmte Stadt Hirschberg bei Christian Mentzel öfter Darlehen aufnehmen. Aus seinem Vermögensinventar geht hervor, dass er seiner Heimatstadt 1745 und 1746 jeweils 10.000 Reichstaler vorstreckte. Nach dem Fall Schlesiens an Preußen stellten die im Vergleich zu den österreichischen Zeiten zunehmenden Versuche obrigkeitlicher Bevormundung ein stetes Ärgernis für die Kaufleute dar. Christian Mentzel setzte sich nun an vorderster Stelle gegen die häufigen Einmischungen der preußischen Regierung in die Handelsgeschäfte seiner Kauffmanns-Sozietät zur Wehr.
Alle reichen Kaufleute wie Daniel von Buchs, Gottfried Glafey, Gottfried Tietze, Johann Jäger und natürlich auch die Übrigen gaben umfangreiche Dotationen zum Bau der Gnadenkirche. Aber kaum einer zeigte sich wie Christian Mentzel sein ganzes Leben lang seiner Stadt, seinen Glaubens-genossen und seiner Sozietät gegenüber so ausnehmend großzügig. So hieß es in seiner Leichenpredigt: „[Es] bleibet Sein Nahme wegen Seiner preißwürdigen Tugenden und gemeinen Wesen geleisteten treuen Dienste, unsterblich“. Der Reichste der Schleierherren stiftete wahrhaft gewaltige Summen für Bau und Ausstattung der Gnadenkirche. Man nannte ihn wegen seiner Wohltaten ehrfurchtsvoll „den großen Kirchenpatron“. Stadtchronist David Zeller spricht von ihm noch zu seinen Lebzeiten als „dem große Wohlthäter”. Auf Grund seines Vermögens, das eine großzügige Unterstützung vieler Vorhaben ermöglichte, wählte man Christian Mentzel zum Ober-Kirchenvorsteher an der Gnadenkirche. Schon dem ersten wiederbegründeten evangelischen Kirchen-Collegium hatte er 1709 als Kirchenvorsteher angehört. Zum Bau der Orgel in der Gnadenkirche von 1725-29 stellte Mentzel eine Summe von 30.000 Talern zur Verfügung. Seine Freigiebigkeit und sein Engagement riefen aber nicht nur Dankbarkeit, sondern auch Kritik hervor, die mit Sicherheit auch von Neid und Missgunst genährt wurde. So erhob sich gegen seine vor allem mangelnden räumlichen Alternativen geschuldeten Pläne, die neue Orgel mit dem Altar zu verbinden, lauter Protest. Für die Pfarrer und den Kirchenvorstand der Gnadenkirche sowie einen Teil der Bürgerschaft waren Mentzel Vorstellungen anmaßend und untragbar, da zum Einbau der neuen Orgel Änderungen am Altar und dessen Umfeld vorgenommen werden mussten. Einerseits wurden praktische Gründe ins Feld geführt, andererseits unterstellte man, dass sich der „große Kirchenpatron“ auf diese Weise an exponierter Stelle ein ungehöriges Denkmal setzen wolle. Die Emotionen kochten gar so hoch, dass man an Mentzels Wohnungstür Schmähschriften anheftete. Die Geistlichkeit der Gnadenkirche ließ sich gegen Mentzels Orgelprojekt folgendermaßen verlauten: „So einfältig werden Unsere hochgeehrtesten Herren Patroni hoffentlich nicht seyn, daß Sie sich einbilden sollten, als ob mit einem bloßen Gethöne unvernumftiger Pfeiffen an sich selbst Gott dem Herrn ein mehreres solte gedienet seyn.“ Mentzel ließ sich durch diesen heftigen Widerstand jedoch nicht beirren und setzte mit kaufmännischer Entschlossenheit seine ungewöhnlichen Vorstellungen von einer um den Altar gruppierten Orgel durch. So können wir noch heute in der Gnadenkirche diesem wunderbaren Instrument lauschen – so erschaffen, wie es sein Spender ursprünglich beabsichtigt hatte. Die Hirschberger Orgel galt damals wie auch heute als „eine der vorzüglichsten in Schlesien“.
Trotz seines ungeheuren Reichtums lebte Christian Mentzel in seinem Haus vergleichsweise bescheiden. Ein „dankbarer Kenner der Familie“ berichtete, dass der reiche Kaufmann mit seiner Familie mit Zinnlöffeln von tönernem Geschirr aß und es als Verschwendung abtat, als seine erwachsene Tochter ein Kleid aus Seide kaufen wollte. Erst im Alter erlaubte er sich die Bequemlichkeit, im Wagen zu reisen. Nur einmal in seinem Leben ist eine Vergnügungsfahrt be-zeugt, als er am 21. Juli 1711 die Schneekoppe bestieg. – Wer weiß, vielleicht war ihm der alles überragende Gipfel der Schneekoppe, den er ja beinahe täglich vor Augen hatte, Ansporn auf in seinem Leben und Streben die höchsten Ansprüche zu verwirklichen.
In Ansehen und Vermögen dem landsässigen schlesischen Adel schon lange ebenbürtig, beschloss Christian Mentzel in der Blütezeit seines kaufmännischen Erfolges, sich seinem Stand ange-messene Landresidenzen zuzulegen. Seine Wahl fiel auf die Rittergüter Lomnitz/Łomnica sowie Ober- und Niederberbisdorf/Dziwiszów. Mit dem Erwerb dieser beiden Rittergüter bewegte er sich nun auch in seiner gesellschaftlichen Lebensart mit dem Landadelsstand auf einer Ebene. Eigentlich war zu seiner Lebenszeit der Kauf von Rittergütern allein Adligen vorbehalten, doch gewährte ihm Kaiser Karl VI. am 19. Dezember 1738 per kaiserlicher Verordnung die Ausnahme, das Gut Lomnitz ad dies vitae zu besitzen. In verständlichem Bürgerstolz hatte Mentzel zuvor das kaiserliche Anerbieten, ihn den Adelsstand zu erheben, ausgeschlagen. Bald nach seinem Erwerb ließ Christian Mentzel Schloss Lomnitz von außen und innen gründlich erneuern. In Lomnitz und Berbisdorf unterstützte er mit der Stellung von Bauplätzen und der Vergabe von freiem Bauholz zudem die Errichtung evangelischer Bethäuser.
Der reiche Schleierherr sorgte über seinen Tod hinaus weitsichtig vor. Bereits 1726 war der von ihm in Auftrag gegebene Bau einer Familien-Grabkapelle auf dem Hirschberger Gnadenkirchhof für sich und seine Familie fertiggestellt. Erst 22 Jahre später sollte er hier seine letzte Ruhe finden. Am 23. Februar 1748 traf den großen Kaufmann und Patron nach einem überaus langen und erfüllten Leben ein Herzschlag, an dessen Folgen er zwei Tage später, an einem Sonntag „morgens früh 3 viertel auf 7 Uhr“ „unter den Thränen der Herumstehenden, welche die gantze Nacht mit Gebet und Singen bey Ihm zugebracht“, verstarb. Am 1. März 1748 wurde er unter großem Aufwand beigesetzt. Sechs schwarzbehangene Pferde zogen den Leichenwagen zur Gnadenkirche. Vor dem Altar wurde er in einem gewaltigen, von hohen Kerzen umstandenen Eichensarg aufgebahrt. Der Pfarrer würdigte ihn in seiner Leichenpredigt mit Worten, die bis heute ihre Gültigkeit nicht verloren haben: „Solange die Gnadenkirche steht, werde auch das Andenken dieses Mannes unverlöschlich sein.“ Christian Mentzel war „80 Jahr, 24 Wochen und 2 Tage“ alt geworden und Stammvater von 17 Kindern, 18 Enkeln und 4 Urenkeln.

(Gerhard Schiller)